Spaniens Team der Stunde: UD Las Palmas

Es ist immer wieder erstaunlich wie stark die Leistungen von Mannschaften innerhalb einer Saison pendeln können. Wie durch Geisterhand spielt eine Mannschaft die mitten im Abstiegskampf steckt plötzlich wie ein Europapokalanwärter und gewinnt Spiel um Spiel. Aktuelles Beispiel: UD Las Palmas in der spanischen Primera Division. Doch wie kam es dazu, dass ein Abstiegskandidat auf einmal 6/7 Spielen gewann und auch gegen die großen mithalten konnte?

Es begann im Prinzip mit einer Niederlage. Eine Niederlage mit der jeder Verein in der Liga rechnen muss: Eine Heimniederlage gegen Barca. 1:2 unterlag man, zeigte aber dabei eine sehr gute Partie. Und es scheint beinahe so als hätte diese unglückliche Niederlage zu neuem Selbstvertrauen geführt. Anschließend konnten die nächsten drei Spiele am Stück gewonnen werden. Besonders bemerkenswert dabei: zwei Auswärtssiege in Eibar und bei Villareal(!) für die ansonsten traditionell auswärtsschwache Mannschaft aus Gran Canaria. Nach einer erneut sehr unglücklichen und späten Heimniederlage gegen Real Madrid, bei der mindestens ein Punkt absolut verdient gewesen wäre, folgten erneut drei Siege am Stück – wieder mit zwei Auswärtssiegen (in San Sebastian und A Coruna). Durch insgesamt sechs Siege in sieben Spielen wurde aus einem zwischenzeitlich tabellenletzten eine Mannschaft im gesicherten Mittelfeld, die nichts mehr mit dem Kampf um den Klassenerhalt zu tun hat.

Bemerkenswert an dieser Serie ist auch die Art und Weise mit der die Mannschaft gespielt hat. Las Palmas zeigte attraktiven und zielstrebigen Kombinationsfussball wie man ihn von den Top-Mannschaften Spaniens kennt. Doch wie kam es zu diesem plötzlichen Wandel?

Die Lösung sitzt auf der Trainerbank. Quique Setién ist seit dem vergangenen Oktober der neue Chefcoach auf Gran Canaria. Der anfängliche große Erfolg blieb dabei zunächst aus. Man gewann zwar einige Spiele kam aber nicht so recht von der Stelle in der Tabelle. In einem Interview im Laufe der aktuellen Siegesserie gab Setién dann preis wieso es auf einmal so gut läuft. Die Spieler hätten nach einer Eingewöhnungszeit sein System und seine Art und Weise Fussball zu spielen verstanden. Wer gewinnt hat Recht, große Wiederworte kann es zu diesem Statement nicht geben. Vielleicht ist dies ja ein weiterer Beleg dafür, dass Trainern doch ein wenig mehr Zeit zugestanden werden sollte, auch wenn es zu Beginn einer Amtszeit nicht direkt so läuft wie sich das alle wünschen (Looking at you Palermo). Trainer und Mannschaft müssen sich aneinander gewöhnen. Der Trainer muss unter Umständen mit Spielern spielen die nur bedingt seine Art und Weise von Fussball umsetzen können und die Spieler sind ganz andere Abläufe und Spielweisen gewohnt. Dies kann nicht von einen auf den nächsten Tag – und scheinbar auch nicht von einer zur nächsten Woche – problemlos umgestellt werden.

Der Vertrag von Setién läuft übrigens aus am Ende der Saison. Es ist die höchste Priorität des Vereins diesen Vertrag schnellstmöglich zu verlängern und es ist auch davon auszugehen, dass man sich einigt.

Doch um guten Fußball zu spielen braucht man nicht nur einen Trainer der etwas von seinem Job versteht sondern auch die entsprechenden Spieler. Und die hat Las Palmas. Herausragende Spieler der letzten Woche sind die beiden Stürmer Araujo (Neuzugang von den Boca Juniors) und Wilian Jose (ausgeliehen aus Uruguay(!)) sowie Roque Mesa im zentralen Mittelfeld und Jonathan Viera (Neuzugang aus Lüttich) im offensiven Mittelfeld. Aus dem Mittelfeld heraus wird in der Regel versucht das Spielgeschehen mit schnellem Passspiel in die gegnerische Hälfte zu verlagern. Dort angekommen ist das Spiel von Las Palmas sehr zielstrebig und effizient. Die beiden (meist nicht gleichzeitig spielenden) Stürmer brauchen nur wenige Chancen um ihre Tore zu erzielen. Und wer vorne effizient ist und hinten gleichzeitig sicher steht – wie es Las Palmas seit Beginn der Siegesserie ebenfalls tut – der hat beste Chancen zu gewinnen.

Für Europapokalambitionen kam der Aufwind von Las Palmas etwas zu spät. Der Rückstand nach oben ist zu groß. Da die Saison praktisch gelaufen ist, würde ich nicht mehr zwingend davon ausgehen, dass die Serie von Las Palmas anhält (Siehe auch das 1:1 gegen Gijon zuhause vom vergangenen Wochenende). Es wird spannend zu beobachten sein ob es gelingt die Verantwortlichen für den Erfolg zu halten. Interessenten wird es sowohl für den Trainer als auch für einige Spieler geben. Die nächste Saison in der Primera Division ist jedenfalls gesichert. Der Verein und die Fans blicken optimistisch in die Zukunft und wenn dort weiter so gute Arbeit auf der Trainerbank und beim Scouting geleistet wird, tun sie dies auch zurecht.